Die Christstollenproduktion startet

Kaum zu glauben, aber wahr: Das weihnachtliche Backwaren-Heiligtum, der Christstollen, war einst ein Fastengebäck aus Hafermehl und Rüböl. Doch diese Zeiten sind natürlich längst vorbei. Heute ist der Kuchen deutlich gehaltvoller und gerade der Dresdner Christstollen erfreut sich im In- und Ausland größter Beliebtheit. Bereits im Sommer geht die Stollenproduktion in Dresden wieder los.

Erfunden wurde der Christstollen in Naumburg an der Saale. Aber erst die Dresdner machten ihn dann zum beliebtesten Weihnachtsgebäck Deutschlands – mit päpstlicher Schützenhilfe. Papst Innozenz VIII. genehmigte 1491 im sogenannten „Butterbrief“ erstmals die Verwendung von Butter während der Fastenzeit im Advent – vorher war dies nämlich verboten. Mit der neuen Zutat gingen die Dresdner Stollenspezialisten nicht sparsam um und noch heute enthält der Original Dresdner Christstollen rund 10 Prozent mehr Butter als andere Stollen. Aber nicht nur die Butter macht den Dresdner Stollen so lecker. Feinste Zutaten wie Weizenmehl, Gewürze, Mandeln und vor allem jede Menge Rosinen verhelfen dem Stollen zu seinem einzigartigen Geschmack. Zu welchen Anteilen diese Zutaten zum Einsatz kamen, war in Dresden in jeder Familie über Jahrhunderte hinweg ein gut gehütetes Geheimnis. Heute wird die aufwändige Herstellung von Christstollen auch in der sächsischen Landeshauptstadt in der Regel den Bäckern überlassen. Doch nur 150 von ihnen besitzen in Dresden und Umgebung die Lizenz zum Stollenbacken – und das Recht, ihre Waren mit dem Qualitätssiegel des Dresdner Stollen Schutzverbandes zu versehen. Das Markenzeichen „Original Dresdner Stollen“ garantiert, dass der Stollen nur beste Zutaten enthält, von Hand geformt wurde und die öffentliche Stollenprüfung bestanden hat.

Für Rosinenhasser: Mohn- und Mandelstollen

Neben der klassischen Variante sind heute vor allem unter Rosinenfeinden auch Mandelstollen und Mohnstollen sehr beliebt. Erstere überzeugen, wie der Name schon sagt, durch ihren hohen Mandelgehalt. Der Dresdner Mohnstollen hingegen wird anders als normaler Christstollen und Mandelstollen in der Kastenform gebacken. Wahrscheinlich sind die Dresdner Bäcker auf diesen Trick verfallen, damit sich ihre Kreation vom Original besser abhebt. Der ursprüngliche Mohnstriezel nämlich wurde vermutlich in der Lausitz erfunden und wird dort bis heute – wie herkömmlicher Stollen – als Laib auf dem Blech gebacken. Nichtsdestotrotz sind die Dresdner Bäcker in allen Stollen-Disziplinen heute Weltmeister, ihr Stollen ist der bekannteste und wird selbst ins Ausland exportiert.

Traditionell wurde der Stollen in Dresden und dem Umland erst Heiligabend angeschnitten. Mit dieser Sitte nimmt man es heute allerdings nicht mehr ganz so genau. Die ersten Stollen liegen bereits im Oktober in den Regalen, weshalb in Dresdner Bäckereien die Stollensaison bereits im Sommer beginnt. Haltbar ist das Gebäck dann bei halbwegs kühler und trockener Lagerung bis zu einem halben Jahr.

 

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